Unverkäuflich! – Wie aus der Kurmärkischen Straße 13 ein solidarisches Hausprojekt wurde

So., 22.03.2020, 15:00 Uhr (ca. 2,5 Std.)
 

Unver­käuf­lich und bezahl­bar woh­nen, der Spe­ku­la­ti­on den Boden ent­zie­hen – welch‚ fas­zi­nie­ren­der Gedan­ke ange­sichts der Situa­ti­on auf dem Woh­nungs­markt und der Macht von Inves­to­ren und Immo­bi­li­en­kon­zer­nen!
Mit dem Miets­häu­ser Syn­di­kat ist das kei­ne Uto­pie. Das „Syn­di­kat“ ist ein bun­des­weit enga­gier­ter Ver­ein, der „Haus­grup­pen“ dabei unter­stützt, ihren Traum vom gemein­schaft­li­chen Woh­nen zu ver­wirk­li­chen.
Sol­che „Haus­grup­pen“ exis­tie­ren … [ wei­ter ]
oft schon Jah­re bevor end­lich ein geeig­ne­tes Objekt oder ein bezahl­ba­res Grund­stück für einen Neu­bau gefun­den wird. Die Vor­stel­lun­gen, was die ein­zel­nen unter gemein­schaft­li­chem Woh­nen ver­ste­hen, was geteilt wer­den und was pri­vat sein soll, sind mit­un­ter lan­ge und inten­siv erör­tert wor­den, bevor es zum Haus­kauf kommt.
Bei dem Haus in der Kur­mär­ki­schen Stra­ße 13 war das aller­dings ganz anders: Die Kumi*13, wie das Haus inzwi­schen fast lie­be­voll von sei­nen Besitzer*innen genannt wird, war bis in den Win­ter 2018 ein gewöhn­li­ches Miets­haus, wenn auch an etli­chen Stel­len sanie­rungs­be­dürf­tig. Sei­ne Bewohner*innen kann­ten sich mehr oder weni­ger flüch­tig, als der Eigen­tü­mer starb und im Febru­ar 2019 bekannt wur­de, dass sei­ne bei­den Töch­ter das Haus ver­kau­fen wol­len. Kei­ne gute Nach­richt, denn Erfah­run­gen mit Inves­to­ren gab es auch in die­sem Bezirk zu Genü­ge.
Aber es kam anders. Einem dop­pel­ten Wun­der gleich, fand sich schnell eine Grup­pe aus Alt-Mieter*innen und wei­te­ren Inter­es­sier­ten zusam­men, die der Wunsch ein­te, ein gemein­schaft­li­ches Haus- und Kul­tur­pro­jekt auf die Bei­ne zu stel­len. Und – wie um das Wun­der kom­plett zu machen – lie­ßen die Erbin­nen sich dar­auf ein: Schon im Juni 2019 konn­te der Haus­ver­ein Kumi*13 e.V. das impo­san­te, 1875 erbau­te Grün­der­jah­re-Haus mit sei­nen ca. 1.900 qm Wohn- und Gewer­be­flä­che zu einem fai­ren Preis erwer­ben.
[ Bild 2 ]
Besit­ze­rin ist nun die GLIK GmbH (GLIK = Gemein­sam Leben im Kiez), das recht­li­che Kon­strukt von Haus­ver­ein und dem Ver­ein Miets­häu­ser Syn­di­kat. Die­ses Kon­strukt gewähr­leis­tet, dass die „Syndikat“-Hausprojekte nicht mehr ver­kauft und pri­va­ti­siert wer­den kön­nen.
Unge­wöhn­lich schnell und prak­tisch OHNE eige­nes Geld sind Mieter*innen und wei­te­re Inter­es­sier­te zu Hausbesitzer*innen gewor­den, mit einer gro­ßen Ver­ant­wor­tung und einem Schul­den­berg, der beängs­ti­gen kann. Aber das Haus ist jetzt unver­käuf­lich! Die Sor­ge, viel­leicht zum Spiel­ball von Inves­to­ren-Inter­es­sen zu wer­den, wird die Bewohner*innen nicht umtrei­ben.
Das wohl Ent­schei­den­de war der Ent­schluss, dem Miets­häu­ser Syn­di­kat bei­zu­tre­ten.
Der 1992 in Frei­burg gegrün­de­te Ver­ein ver­steht sich als „Recht­li­cher Ver­bund zur wirk­sa­men Eigen­tums­neu­tra­li­sie­rung“. Die ihm zuge­hö­ri­gen Haus­pro­jek­te sind ver­trag­lich vor (Re-) Pri­va­ti­sie­rung geschützt, der Boden der Spe­ku­la­ti­on ent­zo­gen.
Wie genau funk­tio­niert das? Und was unter­schei­det das Miets­häu­ser Syn­di­kat von Genos­sen­schaf­ten(?) – etwa in der Orga­ni­sa­ti­ons­form und in Bezug auf die Mit­glie­der? Wie wer­den Ent­schei­dun­gen getrof­fen? Im Miets­häu­ser Syn­di­kat, aber auch in den Haus­pro­jek­ten, so auch in der Kumi*13?
Der Haus­ver­ein besteht zur Zeit aus 17 Erwach­se­nen und 9 Kin­dern. Und da (fast) „alle in irgend­ei­ner Wei­se Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de sind“, schwebt ihnen „kein sepa­ra­tis­ti­sches ´schö­ner Woh­nen‚“ vor. Es soll ein Ort sein, der auch für ande­re zugäng­lich ist und von dem sich „gegen­sei­ti­ge Für­sor­ge und Ver­ant­wor­tung (…) in die Gemein­schaft von Haus und Kiez erwei­tern (sol­len)“. Die Mit­glie­der des Haus­ver­eins treibt der Wunsch, ihre „Fähig­kei­ten und Erfah­run­gen in und mit sozia­len Grup­pen ein­zu­set­zen, in akti­ver Aus­ein­an­der­set­zung mit den vie­len sozi­al­po­li­tisch bren­nen­den Fra­gen“.
Das ist ambi­tio­niert und wird gera­de des­halb eine gro­ße Her­aus­for­de­rung sein, weil sich in unmit­tel­ba­rer Nähe all das ver­eint, was das Leben in einem Groß­stadt­kiez inter­es­sant, aber auch schwie­rig macht: Stra­ßen­strich und enga­gier­te Kir­chen­ge­mein­de, aller­lei tür­ki­sche Läden und Cafés, Luxus-Shops und inter­na­tio­na­le Gale­ri­en.
[ Bild 3 ]
Das Nut­zungs­kon­zept für die Gemein­schafts­räu­me ist „im Wer­den“, soll offen blei­ben für die Ent­wick­lun­gen im Kiez. Ide­en für die Nut­zung gibt es vie­le: künst­le­ri­sche, sozia­le, poli­ti­sche und auch öko­lo­gi­sche; es sind vage Ide­en, aber auch sehr kon­kre­te. Las­sen wir uns über­ra­schen!
Zunächst aber steht eine Viel­zahl unter­schied­lichs­ter Arbei­ten an (Sanie­rung, Ver­wal­tung, Buch­füh­rung, Kos­ten­kal­ku­la­ti­on u.a.m.). Wie sind die­se Auf­ga­ben ver­teilt? Gibt es wech­seln­de Zustän­dig­kei­ten? Was, wenn sich ein­zel­ne dar­an nicht betei­li­gen kön­nen oder wol­len?
Wie gehen die (künf­ti­gen) Bewohner*innen vor? Wie bewäl­ti­gen sie die Finan­zie­rung des Pro­jekts? Wel­che Umbau­ten sind geplant?
Die­se Fra­gen und mehr können/sollen The­ma sein, wenn wir uns mit einem der Initiator*innen im Gemein­schafts­raum des Pro­jek­tes tref­fen.
Vor­ab wer­de ich in das The­ma ein­füh­ren und anhand ein­zel­ner Aspek­te (Gemein­schaft­li­ches Woh­nen, Finan­zie­rungs­for­men, Miets­häu­ser Syn­di­kat und sei­ne Haus­pro­jek­te bun­des­weit) auf den Aus­tausch vor­be­rei­ten.
Eine Anmel­dung ist erfor­der­lich! Treff­punkt wird nahe der U2-Bülow­stra­ße sein.