Ein ausgezeichnetes(!) Kino – Fernab vom Mainstream und doch nah am Publikum

Di., 29.01.2019, 13:45 Uhr (ca. 2,5 Std.)
 

Das Bali – so oft schon wur­de das klei­ne Kino aus­ge­zeich­net, dass es mit all den Ehrun­gen eine Wand schmü­cken könn­te. Vor genau 40 Jah­ren hat Hel­gard Gam­mert die Bahn­hofs-Licht­spie­le in Zehlen­dorf über­nom­men. Vier­zig Jah­re, in denen die Kino-Land­schaft über­all kräf­tig durch­ge­schüt­telt wur­de und unzäh­li­ge Kinos schlie­ßen muss­ten.
Das Kino als poli­ti­sches Kino wei­ter zu füh­ren, das schon in den 70ern den einen ……
als links, den ande­ren als inspi­rie­ren­des Kiez-Kino galt, war Wunsch und bewuss­te Ent­schei­dung der gelern­ten MTA und Buch­händ­le­rin, die ers­te Erfah­run­gen in einem Mann­hei­mer Kom­mu­nal-Kino gesam­melt hat­te.

Wie hat Hel­gard Gam­mert es geschafft, das Kino vier Jahr­zehn­te lang zu hal­ten? Tol­les Kino? JA! Auch, weil es im Bali noch ande­re Ver­an­stal­tungs­for­ma­te gibt. Aber was macht ein tol­les Kino, ein gutes Kino-Pro­gramm aus? Was sind die Kri­te­ri­en für ein sol­ches Kino?

Die Ber­li­na­le steht bevor. Hel­gard Gam­mert wird wie­der Mit­glied in einer der Ber­li­na­le-Jurys sein, die es für die ver­schie­de­nen Kate­go­ri­en und Sek­tio­nen, neben der gla­mou­rö­sen inter­na­tio­nal besetz­ten (Haupt-)Jury, gibt. Sie weiß aus Erfah­rung, dass – neben all dem Rum­mel um Schön­heit und Glit­zer – die Ber­li­na­le ein Arbeits-Fes­ti­val ist und dass die Ent­schei­dun­gen über die Preis­ver­lei­hun­gen (bei ins­ge­samt über 400 Fil­men) Kom­pe­tenz, Gespür und Erfah­rung brau­chen.
Sicher ist die Mit­ar­beit in die­sem Film­fes­ti­val eine gro­ße Quel­le der Inspi­ra­ti­on. Aber sicher auch kei­ne hin­rei­chen­de dafür, ein Kino über so lan­ge Zeit qua­si als Ein-Frau-Betrieb am Leben zu hal­ten. Was moti­viert sie, Monat für Monat ein anspruchs­vol­les und leben­di­ges Kino-Ange­bot, das nah an der Nach­bar­schaft ist, auf die Bei­ne zu stel­len?

Das Bali – wie auch ande­re beson­de­re Kinos – zeich­net aus, dass sie Fil­me fern­ab des Main­stream zei­gen: Fil­me, die nicht „jeder­manns“ Geschmack tref­fen, sol­che, die beson­de­re oder bri­san­te The­men auf­grei­fen oder in den Län­dern der Peri­phe­rie spie­len und die kras­sen Unter­schie­de anschau­lich wer­den las­sen, die zwi­schen unse­rem Leben hier und dem in den geschun­de­nen Regio­nen der Welt exis­tie­ren. Fil­me, die die­ses Leben oder eine beson­de­re Pro­blem­la­ge fühl­bar machen – anders als es ein Zei­tungs­be­richt ver­mag. Fil­me, die zum Nach­den­ken anre­gen (wol­len).
Aber wen inter­es­siert das noch? In Zei­ten, in denen das Main­stream-Kino und Block­bus­ter immer gleich­för­mi­ger wer­den – und den­noch gan­ze Scha­ren in die gro­ßen Mul­ti­ple­xe zie­hen.

Über die Quel­len von gutem Kino, über das, was einen span­nen­den und schö­nen Film aus­macht, einen, der Herz und Kopf glei­cher­ma­ßen anspricht, wol­len wir am 29. Janu­ar mit Hel­gard Gam­mert spre­chen. Auch dar­über, wel­che Kri­te­ri­en sie ihrer Film­aus­wahl zugrun­de legt und wel­che Ver­an­stal­tungs-Ide­en sie dar­über hin­aus in ihren Kino-Räu­men ver­wirk­licht. Wie sieht sie die Zukunft des Kinos – ange­sichts des gro­ßen Film­an­ge­bots im Fern­se­hen, der Kon­kur­renz durch die Kino-Ket­ten und der zuneh­men­den Ver­brei­tung von Strea­ming­por­ta­len wie Net­flix, die nicht nur eige­ne Fil­me und Seri­en über das Tablet in’s Haus brin­gen, son­dern auch das Zeug haben, Film­markt und Film­pro­duk­ti­on umzu­krem­peln. Auch das soll The­ma sein.

Die Tour führt uns hin­ein in das Bali-Kino. Wir haben Gele­gen­heit, Ein­bli­cke in die Räu­me des Kinos zu erhal­ten und im Aus­tausch mit Hel­gard Gam­mert Nähe­res über die Abläu­fe des Kino-Machens zu erfah­ren. Hier­für sind etwa 1,5 Stun­den vor­ge­se­hen.
In der Ein­füh­rung vor­ab wer­de ich auf die Anfän­ge des Kinos in Deutsch­land ein­ge­hen, auf die Unter­schie­de zwi­schen Main­stream- und Pro­gramm-Kino und auf die gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen, denen sich nicht nur das Pro­gramm-Kino heu­te stel­len muss.

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