'LaVidaVerde' in Berlin-Lichtenberg – Anders wohnen mit dem Mietshäuser Syndikat

Fr., 29.09.2017, 16:30 Uhr (ca. 2,5 Std.), Anmeldung bis Fr., 22.09.2017 (danach bitte telefon. anfragen), Preisgruppe A
zur Anmeldung.
 

Das Hausprojekt LaVidaVerde wurde im November 2014 im Berliner Abendblatt als „Leuchtturm der Nachhaltigkeit“[1] vorgestellt. Das war auch erklärtes Ziel der künftigen Bewohner_innen, als 2011 das Grundstück erworben wurde. Zwei Familien, die gewissermaßen die Kerngruppe bildeten, hatten sich 2009 auf den Weg gemacht, ein nachhaltiges und soziales Mehrgenerationen-Haus zu realisieren. Weitere Interessent_innen kamen hinzu und da die meisten ein an Nachhaltigkeit ausgerichtetes Hausprojekt wünschten, war schnell klar, dass der Neubau ein „Energie-Plus-Haus“ werden solle. Mit energiesparenden Geräten, einer Photovoltaikanlage und einer auf bestmögliche Dämmung ausgerichteten Bauweise sollte der Energiebedarf stark gedrosselt und mehr Energie erzeugt werden, als die Hausgemeinschaft übers Jahr verbraucht. Auch …
LaVidaVerdeein eigener Wasserkreislauf war geplant. LaVidaVerde wurde zu einem „Beispiel für dezentrale Energieversorgung im Kiez“[1] und eine Hausgemeinschaft, die bei ihren sozialen Aktivitäten auch die Nachbarschaft mit einbezieht.

Als das Haus im Sommer 2014 mit insgesamt 16 unterschiedlich großen Wohnungen sowie Gemeinschaftsräumen und einem großen Garten bezugsfertig wurde, hatte sich die Kerngruppe auf 26 Erwachsene mit 13 Kindern und Jugendlichen erweitert. Seitdem hat es nur geringe Veränderungen in der Zusammensetzung der Hausgemeinschaft gegeben.

Die rund 3 Millionen Euro für den Hausbau konnten durch Bankkredite, Förder- und Stiftungsgelder und Direktkredite von Freund_innen und Unterstützer_innen aufgebracht werden. Nicht unwesentlich war dabei die Entscheidung, die Realisierung zusammen mit dem Mietshäuser Syndikat auf den Weg zu bringen. Das Mietshäuser Syndikat unterstützt Gruppen dabei, ihren kollektiven Wunsch nach selbstbestimmtem und bezahlbarem Wohnen zu verwirklichen, in einem Haus, dem nicht nach Hausverkauf oder Umnutzung die Zwangsräumung oder Abrissbirne winkt.[2]

Das 1983 in Freiburg gegründete Syndikat versteht sich als „Rechtlicher Verbund zur wirksamen Eigentumsneutralisierung“[3]. Immobilien (und Boden) sollen dauerhaft der Spekulation entzogen werden. Ein lobenswertes und zugleich ambitioniertes Anliegen, das inzwischen bei (bundesweit) über 120 Häusern verwirklicht werden konnte. Eine ausgeklügelte Rechts- und Finanzierungskonstruktion ermöglicht, dass auch Menschen mit kleinem Einkommen sich den gemeinschaftlichen Hauserwerb leisten können. Zugleich schützt diese Konstruktion vor Spekulation und Verdrängung, da Hausverkauf und Reprivatisierung ausgeschlossen sind. In Zeiten, in denen dubiose Immobilienfirmen aus allen Ecken der Welt auch in Berlin ihr Unwesen treiben und oft mit dreisten Methoden Mieterhöhungen durchsetzen, sich Wohnungen aneignen und rücksichtslos Mieter_innen verdrängen, um ihre Rendite-Ziele zu verwirklichen, ist ein wachsendes Interesse an geschütztem Wohnraum nachvollziehbar. Doch wie funktioniert das? Und warum ist das Mietshäuser Syndikat bisher nur wenig bekannt bzw. warum gibt es nicht noch viel mehr solcherart realisierte Hausprojekte?

Auf diese und andere Fragen soll beim Besuch von LaVidaVerde eine Antwort gegeben werden. Wir haben Gelegenheit, im direkten Austausch vor Ort zu erfragen, wie Schritt für Schritt Finanzierung und Hausbau möglich wurden. Und zu erfahren, was es im Einzelnen mit der ökologischen Bauweise auf sich hat. Wie funktioniert das Zusammenwohnen in einer solch großen Gemeinschaft? Wofür werden die Gemeinschaftsräume genutzt? Und wie wird das Hausprojekt in der Lichtenberger Nachbarschaft angenommen?

Die Tour dauert rund 2,5 Stunden. Im ersten Teil, auf dem Weg zum Hausprojekt, wird es eine Einführung mit Infos rund um gemeinschaftliche Wohnformen sowie zum Mietshäuser Syndikat und zu LaVidaVerde geben. Für den Austausch und eine kleine Besichtigung sind etwa 1,5 Stunden eingeplant.

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