Leben einzeln und frei und doch gemeinschaftlich – 'Lichte Weiten': Ein Mehrgenerationen-Projekt in Berlin-Lichtenberg

Fr., 12.05.2017, 13:30 Uhr (2,5 Std.), Anmeldung bis Fr., 05.05.2017 (danach bitte telefon. anfragen), Preisgruppe A
zur Anmeldung.
 

Gemeinschaftlich wohnen – und doch die „eigenen vier Wände“ haben und sie so gestalten können, wie Mensch Lust hat. Gemeinschaftlich leben (!) und doch mit der Möglichkeit, sich zurück zu ziehen und „Privatheit“ zu pflegen, ohne je einsam zu sein. Das sind wohl wesentliche Motive für ein Leben in einem gemeinschaftlichen Hausprojekt.

Wer hier an den berühmten Satz von Nazim Hikmet denkt: „Leben einzeln und frei wie ein Baum und brüderlich wie ein Wald, dahin geht unsere Sehnsucht“, liegt nicht ganz falsch, „Kitsch“ hin oder her. Denn die Sehnsucht vieler geht tatsächlich dahin.

Lichte Weiten - Mehrgenerationen-Hausprojekt
Quelle: ´Lichte Weiten`

Das Hausprojekt ´Lichte Weiten` war bis 2007 jahrelang eine Ruine. Fast 15 Jahre stand sie heruntergekommen und …

unbewohnt im Weitling-Kiez mitten in Lichtenberg. Dann wurde sie aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Ein Verein von Menschen, die gemeinschaftlich wohnen wollten, wurde gegründet und begann mit dem Aus- und Umbau. Rundum ökologisch, versteht sich.

Ende 2008 zogen die ersten Bewohner_innen – 11 Erwachsene, 5 Kinder und eine Jugendliche – in das Haus mit insgesamt 11 Wohnungen, darunter eine Gemeinschaftswohnung, ein. Heute leben 17 Erwachsene und 9 Kinder hier, die Altersspanne: zwischen 1 und 85. Das Haus kann durchaus als generationsübergreifendes Musterprojekt für Menschen verschiedenen Alters betrachtet werden. Und als ökologisches Vorzeigeprojekt, in dem die Mieten bezahlbar sind. Dafür sorgen ein ausgeklügeltes Finanzierungskonzept sowie die ökologisch sparsame Nutzung, die geringe Betriebskosten erlaubt.

Die Bewohner_innen unterstützen einander, wenn nötig. Der Nachbarschaftsgarten wird gemeinsam „bestellt“ und vielfältig genutzt, auch von den Nachbar_innen angrenzender Häuser. Denn nachbarschaftlich ist hier wörtlich zu nehmen.  Die Hausgemeinschaft versteht ihr Projekt nicht als abgeschottete schöne „Wohn-Insel“. Die Idee ist, Haus und Garten zu öffnen für nachbarschaftliche Aktivitäten und auch für sozialpolitische Anliegen.

Wie sieht das aus? Und wie funktioniert das Miteinander? Wie viel Gemeinschaft kann überhaupt im Alltag gelebt werden? Wo doch die Erfahrung lehrt, dass Rückzug oft leichter ist, als sich auf andere einzulassen. Und wie sieht es bei Konflikten im Haus aus? Nicht alle lassen sich lösen. Was, wenn große Fragen anstehen, wichtige Entscheidungen, die das Haus betreffen, die Bewohner_innen aber unterschiedlich beeinträchtigen und doch von allen zu finanzieren sind?  Selbst kleine Dinge können – dies zeigt schon der Streit um die Mülltrennung allerorten – zu größeren Konflikten ausarten.

Im Einführungsvortrag auf dem Weg hin zum Hausprojekt (ca. 1 Stunde) wird auf die Motive zu gemeinschaftlichem Wohnen eingegangen, auf frühe Formen ebenso wie auf die Möglichkeit, gemeinschaftliche Hausprojekte auch bei kleinem Geldbeutel zu finanzieren. Wie sieht es mit Unterstützungsangeboten für angehende Hausprojekte aus? Und welcher Stellenwert kommt dieser Wohnform zu, in Zeiten steigender Mieten und (vor allem in Berlin) kaum vorhandener Grundstücke?

Im Hausprojekt haben wir die Möglichkeit, Bewohner_innen direkt zu befragen, nach ihren Motiven, so leben zu wollen, danach, wie das Zusammenleben organisiert ist und wie die Gemeinschaftsräume genutzt werden, was ökologische Bauweise und Nutzung hier konkret bedeuten und anderes mehr.